Aufruf zur Gründung einer VAD-Arbeitsgruppe / eines Ausschusses „Sahel-/Burkina-Initiative“

Die gesellschaftlichen und naturräumlichen Herausforderungen, mit denen die Länder im Sahel seit langem konfrontiert sind, haben sich in den letzten Jahren unter dem Druck des jihadistischen Terrors so zugespitzt, dass ein Zusammenbruch des Staates in Mali und nun auch in Burkina Faso zu einem sehr realistischen Szenario geworden ist. Burkina bildet bislang einen Sperrriegel gegen das Vordringen des Islamismus in die Küstenländer und gegen die Neudefinition des Sahelraumes unter islamistischem Vorzeichen. Die Konflikte in den Sahelländern ziehen unermessliches menschliches Leid nach sich, für das keine angemessene internationale Hilfe in Sicht ist. Die französische, deutsche und europäische Afrikapolitik konzentriert sich bis jetzt auf die Verstärkung eines militärischen Engagements, das in vielfacher Hinsicht problematisch ist und die gesellschaftlichen Grundprobleme nicht erreicht.

In dieser Lage haben im April VAD-Mitglieder unter aktiver Mitwirkung und Steuerung durch den VAD-Vorstand eine Initiative gestartet, die das Gespräch mit der deutschen Außen- und Entwicklungspolitik suchen soll, um eine grundsätzlich andere zivile und militärische Politik für die Sahelländer und Burkina Faso im Besonderen anzuregen. Erkenntnisse zur Lage und zu möglichen Handlungsoptionen sind in einem Konzeptpapier zusammengefasst worden, das der Vorstand hier veröffentlicht hat.

In den zurückliegenden Wochen ist diese Initiative durch einen intensiven Dialog mit akademischen KollegInnen aus Burkina und der Region unterlegt worden, die sich bereiterklärt haben, die Initiative aktiv mitzutragen. Die Initiative wird zu diesem Zweck eine Internet-Plattform eröffnen, die europäischen und afrikanischen KollegInnen gleichermaßen zugänglich sein soll. Zugleich konnten in diesem Zeitraum weitere KollegInnen aus deutschen Forschungseinrichtungen gewonnen und der Dialog mit Abgeordneten des Deutschen Bundestages eröffnet werden.

Die Initiative muss in ihrem weiteren Fortgang von einer festen Gruppe von VAD-Mitgliedern getragen werden, um nachhaltige Wirkungen zu erzielen. Auch wenn über die kritische Lagebeurteilung unter ExpertInnen weitgehende Einigkeit herrscht, sind zentrale soziologische, politisch-ökonomische und nicht zuletzt ethnologische Fragen auch wissenschaftlich offen geblieben. Hier soll die vorhandene Expertise der Afrikawissenschaften besser aufgearbeitet und für politische Entscheidungen nutzbar gemacht werden.

Daher rufen wir zur Gründung einer Arbeitsgruppe auf, die auf der turnusmäßigen Mitgliederversammlung im September 2020 in einen satzungsgemäßen VAD-Ausschuss überführt werden soll. Da die Diskussion auf vielen Ebenen lebendig und drängend ist, wollen wir bereits jetzt mit einer festen Arbeitsgruppe starten und bitten um Willensbekundungen zu aktiver Mitarbeit.

Dieser Aufruf ordnet sich in die Perspektive ein, die im Mai 2019 auf einem Kolloquium zum 50jährigen Bestehen der Vereinigung vereinbart worden ist. Die VAD als weitaus größter Berufsverband von WissenschaftlerInnen, die sich beruflich mit Afrika befassen, soll ihre lange zurückliegende Tradition wieder beleben, zu zentralen afrikapolitischen Fragen Stellung zu beziehen und Einfluss zu nehmen.

Rückmeldungen jeglicher Art bitte an helmutwasche@gmail.com

Für die InitiatorInnen: Helmut Asche, Hans-Peter Hahn, Katja Werthmann, Stefan Schmid

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